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ART
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( Only in German available )
KUNST ALS VISION
Ein Plädoyer
Kunst ist nicht sich selber, sondern dem Menschen verpflichtet. Sie soll den Betrachter im Innersten bewegen. Nur wer sich bewegt und bewegen lässt, öffnet sich Neuem; und wer sich öffnet, tritt in einen Dialog. Kunst ist nichts weiter als ein Medium, diesen Dialog zu führen. Das Zwiegespräch zwischen Bild und Betrachter überwindet die imaginaire Isolation des Ich. Bilder sind Fenster, die Türen öffnen. Aus ICH wird DU, aus DU wird WIR – und auf einmal sind wir alle Teil eines grösseren Ganzen.
Das Leben hat den Anspruch zu bewegen und bewegt zu werden, denn Bewegung erzeugt Veränderung. Veränderung wiederum bedeutet Evolution, und Evolution beinhaltet Freiheit. Nur wer die Wahl hat sich zu verändern, kann frei sein. Wir mögen das Vertraute, Statische, Sichere. Und doch treibt uns das Leben immer wieder in neue Abenteuer. Wir denken, Veränderung bedeute Gefahr. Doch gerade das Gegenteil ist der Fall: Es gibt nichts Gefährlicheres, als an Ort und Stelle zu verharren. Tarnung ist keine Einstellung, sondern Flucht vor Ort.
Um den Menschen zu bewegen, soll Kunst das Essenzielle an- sprechen. Der Essenz vermag sich niemand zu entziehen. Unser wahrer Kern antwortet nicht auf Beliebigkeit, Provokation oder Effekthascherei. Er reagiert nur auf seinesgleichen: Schönheit, Wahrheit und Liebe. Die Kunst soll diese klassischen Ideale neu erfinden – und auf die Gegenwart an- wenden. Sie darf nicht davor zurückschrecken zu versagen. Das Leben ist ein einziges Risiko, und nur wer mitspielt, kann Erfolg haben.
Die Kunst muss sich ihrer eigenen Evolution stellen. Nur dann kann sie sich selber gerecht werden, nur dann erhält sie Berechtigung. Visionen sind gefragt, nicht intellektuelle Konzepte. Gefühl ist wichtig, nicht Heuchelei. Authentizität ist erwünscht, nicht Selbstdarstellung. Grundlegende Fragen sind zu stellen. Fragen zu unserer Identität. Fragen zu unseren Werten. Fragen zu unseren Wünschen. Nur wer fragt, kann Antworten finden. Die Kunst sollte mehr fragen und weniger antworten. Sie sollte still aber nicht lautlos sein. Kunst ist nicht Politik – Politik jedoch sollte Kunst sein!
Visionäre Kunst ermöglicht einen mystischen Dialog. Darin betrachtet sich der Betrachter selbst. Nicht das Werk an sich fasziniert, sondern die Erfahrung unserer eigenen geistigen Essenz. Kunst ist bloss ein Mittel zum Zweck. Ohne Betrachter ist Kunst keine Kunst.
Kunst hat die Aufgabe, Schönheit, Wahrheit und Liebe zu erhalten und zu fördern, Werte, für die es sich zu leben lohnt. Es gilt, Pfade der Evolution zu beschreiten, die noch nie zuvor beschritten worden sind. Es geht darum, Dinge zu zeigen, die ebenso offensichtlich wie verborgen und unvorstellbar sind. Es geht darum, die Vergangenheit durch die Gegenwart in die Zukunft neu zu gebären. Das ist die Aufgabe und die Kunst der Kunst.
Wer denkt, dies sei eine leichte Aufgabe, der täuscht sich. Und wer denkt, es sei eine schwierige Aufgabe, der täuscht sich ebenfalls. Echte Kunst wird nicht gemacht – sie erfindet sich selber. Der Künstler muss zur rechten Zeit am rechten Ort sein, muss hinhören, hinfühlen, mit der eigenen Seele in Zwiesprache treten. Dann, und nur dann, kann Kunst eintreten und sich aus der Vollendung heraus neu vollenden. All dies geschieht aus Freude und aus dem Drang heraus nach höherer Erkenntnis. Vor allem aber geschieht es aus Liebe um der Liebe willen.
© 2005 Peter Wallimann, Zürich - www.sensigns.ch
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